Reportage: Die Geschichte des Waldviertels

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Die Geschichte des Waldviertels

Von der Venus von Willendorf über die Kolonisierung durch die Babenberger, vom böhmischen König Ottokar bis zu den Bandlkramern des 17. Jahrhunderts reicht der bunte Bogen der Geschichte des Waldviertels. Jahrzehnte des Krieges und Hungers wechselten sich mit Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs und der kulturellen Blüte in der „nordischen Region Österreichs“ ab.

 

Das Waldviertler Hochland war früh- und urgeschichtlich kaum besiedelt, da es keinen bestellbaren Boden oder ertragreiche Weiden gab. Daher ließen sich die Menschen dieser Zeit an den Unterläufen der aus dem Waldviertel kommenden Flüsse nieder. Fundstätten aus dieser Zeit sind die Gudenushöhle in Hartstein im Kremstal, der Hundssteig bei Krems, Senftenberg im Kremstal und Willendorf in der Wachau. Den wohl bekanntesten Fund aus dieser Zeit stellt die Venus von Willendorf dar, welche eine der ältesten und bekanntesten Frauenstatuette der Welt ist.

Erst zu Beginn der Jungsteinzeit wurde zumindest der Ostteil des Waldviertels stärker bewohnt. In diesem Gebiet entstanden die ersten bäuerlichen Siedlungen. Erwähnenswert sind auch die Kreisanlagen, welche die ersten Kultstätten des Waldviertels waren.

In der späteren Bronzezeit wurde das Hochland des Waldviertels besiedelt. Regionalen und wirtschaftlichen Einfluss bekam das Waldviertel durch die Eisenverhüttung und -verarbeitung der Kelten in der Eisenzeit.

Ab dem 2. Jahrhundert nach Christus unterwarfen die Germanen die Kelten und ließen sich nieder. An der Schwelle zum Mittelalter folgte eine slawische Besiedelung, die auch durch zahlreiche Funde, wie slawische Gräberfelder, belegt ist.

 

Die Kolonisierung und Christianisierung durch die Babenberger begann im Jahre 1041 mit der Eroberung der Slawenfeste Thunau (heute Thaya). Doch nicht nur die

Babenberger ließen sich im Waldviertel nieder, sondern auch die Grafen von Hardegg, die von Poigen-Rebgau und die Kuenringer. Den Grafen von Poigen-Rebgau und den Kuenringern verdanken die Stifte Altenburg und Zwettl ihre Gründung. Wissenswert ist auch, dass der englische König Richard Löwenherz auf der Waldviertler Burg Dürnstein gefangen gehalten wurde. Vom Lösegeld in der Höhe von kolportierten 11,5 Tonnen Silber haben auch viele Waldviertler Burgen und Schlösser profitiert.

Im 13. Jahrhundert besiegte Rudolf von Habsburg den Böhmenkönig Ottokar und eignete sich durch eine politische Heirat das Waldviertel an. Von diesem Zeitpunkt an stand das Waldviertel größtenteils unter dem Einfluss der Habsburger.

In den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten erlebte das Waldviertel schwere Zeiten: Einfälle der Hussiten, brandschatzende Räuberbanden, die Wirren der Bauernkriege und der Dreißigjährige Krieg. Erst als 1648 in Münster der Friede ausgerufen wurde, begannen wirtschaftliche Aufschwung und kulturelle Blüte der Region. In vorindustriellen Betrieben oder in Heimarbeit wurden so genannte Bandln erzeugt, welche im ganzen Lande von den so genannten Bandlkramern verkauft wurden.

 

Das Zeitalter Napoleons brachte wieder Kriegs- und Hungersjahre ins Land. Erst

1815 beim Wiener Kongress, wo Europa neu geordnet wurde, kam wieder Ruhe ins Land.

Während des 1. Weltkrieges (1914 - 1918) gab es in Gmünd ein Flüchtlingslager für 50.000 Personen. Nach diesem Krieg zerfiel die Donaumonarchie Österreich-Ungarn in eine Reihe von Nachfolgestaaten und einige Ortschaften um Gmünd mussten an die damalige Tschechoslowakei abgetreten werden. In Artstetten wurde das Thronfolgerpaar Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie beigesetzt, durch deren Ermordung in Sarajewo der 1. Weltkrieg ausgelöst wurde.

Adolf Hitler ließ nach seinem Einmarsch im März 1938 das Herkunftsgebiet seiner Ahnen, das Döllersheimer Ländchen, in einen Truppenübungsplatz umwandeln (heute Truppenübungsplatz Allentsteig). Das Waldviertel wurde zwar vom Bombenhagel des 2. Weltkrieges (1939 - 1945) weitgehend verschont, dafür kam es nach dem Krieg durch die russische Besatzung immer wieder zu Zerstörungen und Diebstählen. Nach dem Abzug der Besatzungsmächte im Jahre 1955 begann der Wiederaufbau. Die moderne Entwicklung setzte zwar etwas langsamer ein als in anderen Teilen des Landes, doch besitzt das Waldviertel ein bedeutendes Potential an Naturschönheiten und Lebensqualität und setzt mit zukunftsweisenden Umweltprojekten neue Maßstäbe.

 

© Foto: Waldviertel Tourismus