Unterwegs in der Wachau

Wachau: Glanzlichter am Donauufe

Spektakuläre Naturkulisse, prachtvolle Kulturschätze und kulinarische Highlights

Text: Silvie Bergant

Ich befinde mich auf der niederösterreichischen S33 und konzentriere mich darauf, nicht an der Ausfahrt Traismauer-Nord vorbeizufahren. In Zeiten von Navigationsgeräten und Handy-Apps könnte ich es mir sicherlich leichter machen und mir den Weg von einer charmanten Computerstimme ansagen lassen. Ich gehöre jedoch zu der Sorte Mensch, die sich lieber zuhause die guten, alten Straßen- und Landkarten ins Gehirn einprägt und dann anhand der Erinnerung und einer Portion Orientierungssinn früher oder später überall hinfindet. Bei dieser Fahrt ist es eigentlich einfacher als gedacht und kurz nachdem ich bei Traismauer-Nord die Schnellbahn verlasse, bietet sich mir eine ländliche Dorfidylle wie aus dem Bilderbuch. Ein Nah&Frisch, ein Auto vom Hilfswerk und zwei Damen mit ihren Einkaufskörben. Mein erster Eindruck dieser Region präsentiert sich gediegen, ruhig und verschlafen. Es ist Nebensaison und alles scheint im Winterschlaf versunken zu sein. Doch bald wird hier die Natur aufwachen, die Marillenbäume werden um die Wette blühen und die sanfte Hügellandschaft wird ihre volle Pracht und Schönheit ausbreiten, wohin das Auge reicht.

Grüner Veltliner und Rieslinge von Weltruf

Die Weltkulturerbelandschaft Wachau ist vor allem im Frühling und im Sommer beliebtes Ausflugsziel und Touristenmagnet. Die Region ist reich an Geschichte und Geschichten, an schmucken Städtchen und romantischen Dörfern. Das Tal zwischen Melk und Krems ist 36 Kilometer lang und es ist eine der schönsten Landschaften Mitteleuropas, die sich entlang des niederösterreichischen Donauabschnittes erstreckt und von Weinbergterrassen, Burgen und Schlössern gesäumt ist. Es ist vor allem der Wein- und Obstbau, der hier eine lange Tradition hat. Die Weine aus der Wachau gedeihen auf den typischen Urgesteinsterrassen und erzielen bei nationalen und internationalen Weinverkostungen höchste Auszeichnungen. Schon die Römer übten sich hier in der hohen Kunst des kultivierten Weinbaus. Sie legten die Grundsteine für die Weinterrassen und die hohe Weinkultur, die in der niederösterreichischen Donauregion bis heute gepflegt wird. Fast drei Viertel der Weinberge waren bereits Ende des 15. Jahrhunderts in kirchlichem Besitz, überwiegend in den Händen der bayerischen Klöster. In der Wachau zählte man damals mehr als 50 Lesehöfe, in denen der Wein von den Mönchen gekeltert wurde. Weinbau und Handel florierten schon damals: Der Wein wurde auf Zillen und Schiffen nach Oberösterreich und Bayern verschifft. Heute profitieren vor allem die Weißweinsorten Grüner Veltliner und Riesling von den guten Böden, dem typischen Klima und der einzigartigen Flusslandschaft. Den edlen Tropfen versteht man in der Wachau natürlich gebührend zu Feiern: Ob beim Weinfrühling, wenn die Winzer ihre Keller aufsperren, oder bei den traditionellen Weinfesten im Herbst. Beides sind ausgezeichnete Gelegenheiten, um sich durch die prämierten Weine durchzukosten. Viele Wachauer Winzer sind Mitglieder der Vinea Wachau und halten sich an den Codex Wachau, der die Winzer verpflichtet, die Weine ausschließlich aus dem Weinanbaugebiet Wachau zu keltern und auf jegliche Anreicherung mit Zucker und Aromatisierung zu verzichten. Die trockenen Wachauer Weine sind in drei Qualitätsstufen erhältlich. Je nach Alkoholgehalt spricht man von Steinfeder (maximal 11,5 % Alkohol), Federspiel (zwischen 11,5 % und 12,5%) und Smaragd (ab 12,5% Alkohol). Der Name Steinfeder kommt vom Steinfedergras, das in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Reben auf den Terrassen der Wachauer Weinberge wächst. Die Smaragd-Weine haben ihre Bezeichnung von den Smaragdeidechsen, die sich in
den Wachauer Weinbergterrassen besonders wohl fühlen. Untrennbar mit dem Weingenuss in der Wachau verbunden sind die Heurigen. Hier genießt man in gemütlicher Atmosphäre die Weine sowie die regionale Küche. Ein richtiger Heuriger hat nur zu bestimmten Zeiten geöffnet oder „ausg’steckt“, wie es richtigerweise heißt. Gekennzeichnet wird dies durch einen Buschen aus Zweigen am Eingang.

reisereport-Tipp: Wachau-App „myWachau“ – der Wein-Wegweiser

Die App „myWachau“ ist der Schlüssel zu Weingütern, Heurigen und Weinrieden der Wachau. Hier sieht man, welche Winzer, Heurige oder Vinothek aktuell geöffnet hat. Auf der Riedenkarte sind alle Rieden und Subrieden der Wachau abgebildet und können anhand von Namen und Ortsbezeichnung gesucht werden.

Süß und saftig – die Wachauer Marille verspricht Genuss auf höchstem Niveau

Wenn ich an die Wachau denke, kommt mir sofort die Marille in den Sinn. So ist auch bei dieser Wachau-Erkundungstour meine erste Station der Besuch des Wachauer Marillenbauers Aufreiter (das Interview finden Sie unter „Inside Wachau“). Das sensible Obst hält die gesamte Familie auf Trab: Beginnend bei der Pflege der Pflanzen im Winter bis zum Einkochen der Früchte beziehungsweise der Produktion typischer Marillen-Spezialitäten. Ich erfahre, dass Marillenknödel und Palatschinken mit Marillenmarmelade Grundnahrungsmittel für Herrn Aufreiter sind, die täglich auf dem Speiseplan stehen. Diese werden angeblich von keinem besser gemacht, als von seiner Schwester – zu genießen im familienbetriebenen Weingasthof in Krems-Angern. Der Ausflug in die Marillen- und Weingärten des Hauses Aufreiter und die Hintergrundinformationen zu dem begehrten Obst mit dem einzigartigen Geschmack faszinieren mich. Insgesamt gedeihen rund 100.000 Marillenbäume in der „Genuss Region Wachauer Marille“. Die süße und pralle Wachauer Marille genießt als Begriff und Produkt seit 1996 EU-Schutz. Je nach Witterung verwandelt im März oder im April die Marillenblüte die gesamte Wachau in ein duftiges rosa-weißes Blütenmeer. Besonders beeindruckend ist dieses Erlebnis auf der Strecke zwischen Rossatz und Arnsdorf. Hier reihen sich die bezaubernden Bäume besonders dicht aneinander. Empfehlenswert ist auch eine Schifffahrt durch die Wachau oder eine Radtour. Wer eine Marillen-Wanderung machen möchte, ist wiederum bei Marillenbauer Aufreiter gut aufgehoben. Ein Marillen-Erlebnisweg führt durch die alten Marillengärten und durch die malerischen Weinrieden der Familie. Die Marillenbäume sind dort bis zu 17 Meter hoch. Auf insgesamt 4,5 Kilometer erfährt man allerlei Wissenswertes über die Wachauer Marille und die Arbeit im Obstgarten – traumhafte Ausblicke auf das Stift Göttweig und das Donautal inklusive. Der Juli steht ganz im Zeichen der Marillenernte, zu dieser Zeit muss alles sehr schnell gehen, denn die Marille lässt sich nicht über einen längeren Zeitraum aufbewahren bzw. lagern. Tagesgäste und Touristen strömen nun in die Wachau, um pflückfrische Marillen zu kaufen bzw. um sie bei den vielen, regionalen Marillenfesten zu genießen. Ob in Knödeln, Kuchen, Strudeln, als Marmelade, Kompott, Nektar oder als Edelbrand – die Marille kommt in allen Wachauer Restaurants und Wirtshäusern auf den Tisch.

reisereport-Tipp: Marillenblüte

Den Countdown zur Wachauer Marillenblüte finden Sie zwei Wochen vor Beginn im März/April auf der Website www.donau.com.  

1000-jährige Geschichte und moderne Kunst

Krems am östlichen Ende der Wachau ist eine große Kulturstadt. Nach meinem Besuch bei der Familie Aufreiter locken mich die mittelalterlichen Gassen, die stilvollen Arkadenhöfe und die geselligen Cafés und Restaurants zum Verweilen ein. Für die Gastgärten ist das Jahr noch zu jung, aber durch das spätmittelalterliche Steiner Tor kommend, verliere ich mich gerne in der gemütlichen Fußgängerzone und bei der Besichtigung der spätgotischen Piaristenkirche. Krems kann aber nicht nur mit einer mehr als 1.000-jährigen Geschichte und mit Bauwerken aus Spätgotik, Renaissance und Barock aufwarten, sondern auch mit einem höchst aktiven und zeitgenössischen Kultur- und Universitätsleben. So werden auf der Kunstmeile Krems mit den Flaggschiffen Kunsthalle Krems und Karikaturmuseum hochkarätige Ausstellungen aus den Bereichen Kunst und Karikatur gezeigt. Eine internationale und praxisorientierte Hochschulausbildung beziehungsweise postgraduale Weiterbildung erhalten die Studierenden der Fachhochschule Krems und der Donau-Universität Krems. Das westliche Tor zur Wachau bildet die Stadt Melk mit dem imposanten Benediktinerstift aus der Barockzeit (siehe Artikel zum Stift Melk). Zwischen Melk und Krems locken verträumte Orte wie Spitz, Weissenkirchen oder Dürnstein in die Wachau. Wer durch die Wachaulandschaft fährt, wird auf eine Sensation stoßen: Auf den Fundort der winzigen, nackten, 27.000 Jahre alten Venus von Willendorf, auf die Österreich so stolz ist. Beeindruckend sind auch das Stift Göttweig samt fantastischem Ausblick und die Raubritterburgen Aggstein und Dürnstein.

Wandern am Welterbesteig und Radfahren entlang der Donau

In vierzehn Etappen führt der 180 Kilometer lange Welterbesteig Wachau durch die Winzerdörfer und Renaissancestädte, durch schattige Hohlwege, blühende Gärten und Weinrieden, immer mit Blick auf das gewundene Flusstal. Auf dieser Weitwanderroute werden Wanderer mit traumhaften Ausblicken und einer Vielzahl kultureller Highlights belohnt. Radfahrer kommen hingegen auf dem Donauradweg voll auf ihre Kosten. Neben der schönen Wachaulandschaft und ihren Sehenswürdigkeiten, lohnen hier vor allem die urigen Heurigen und gemütlichen Wirtshäuser einen Stopp. Praktisch sind vor allem die Leihräder von Nextbike, die an 43 Leihstationen rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Das Ausleihen setzt lediglich eine vorherige Registrierung per Telefon oder im Internet voraus und schon kann gegen eine Gebühr von einem Euro pro Stunde, jedoch maximal acht Euro pro Tag, ein Nextbike geliehen werden. Zurückgeben kann man das Rad an jeder beliebigen Leihstation.

Bildergalerie

Infobox

Donau Niederösterreich Tourismus GmbH:
Tel.: +43 (0) 2713/300 60 - 60
E-Mail: urlaub@donau.com
Web: www.donau.com bzw. www.wachau.at

„Codex Wachau“ zu naturbelassener Weinproduktion:
www.vinea-wachau.at

Marillenbauer und Weingasthof Familie Aufreiter:
www.weinhof.at

Wachauer Marillen Erlebnisweg:
www.marillenweg.at

Kunsthalle Krems:
www.kunsthalle.at

Karikaturmuseum Krems:
www.karikaturmuseum.at

Stift Melk:
www.stiftmelk.at

Stift Göttweig:
www.stiftgoettweig.at

Venus von Willendorf:
www.willendorf.info

Burgruine Aggstein:
www.ruineaggstein.at

Burgruine Dürnstein:
http://www.duernstein.at/sites/ueber_ruine.php

Welterbesteig Wachau:
www.welterbesteig.at

Donauradweg:
www.donauradweg.at

Nextbike:
www.nextbike.at

Reportage vom 17.03.2014

Kontakt

Donau Niederösterreich Tourismus GmbH
Schlossgasse 3
3620 3620 Spitz/Donau

http://www.donau.com

Telefon: +43 (0) 2713/300 60 - 60